Mio Lindner, Duden Institut für Lerntherapie International-Online
Lesen ist nicht nur der Schlüssel zur Bildung, sondern auch der Zugang zu einer Welt voller Wissen, Möglichkeiten und Erlebnisse. Doch was passiert, wenn dieser Schlüssel für einige Kinder unaufgeschlossen bleibt? Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) und Rechenschwäche, diese Lernstörungen stellen für viele Kinder eine große Herausforderung dar, aber es gibt Lösungen und Strategien, um diese Hürden zu überwinden.
Lese-Rechtschreib-Schwäche – Eine tiefgreifende Herausforderung
Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) betrifft weltweit etwa 10 bis 15 Prozent der Kinder. Doch die Auswirkungen gehen weit über schulische Schwierigkeiten hinaus – sie betreffen das Selbstwertgefühl, die psychische Gesundheit und die gesamte Lebensperspektive der Kinder. Stellt euch vor, wie es sich anfühlt, jeden Tag mit einer Aufgabe zu kämpfen, die andere mühelos bewältigen. Frustration, Angstzustände und das Gefühl des Versagens sind oft die Folge.
Für Kinder mit LRS kann das ständige Scheitern beim Lesen zu einem Teufelskreis führen: Sie fühlen sich ausgegrenzt und verlieren das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. Dies führt nicht nur zu schulischen Misserfolgen, sondern auch zu psychischen Belastungen. Doch es gibt Hoffnung und Lösungen, die helfen können.
Frühzeitige Erkennung und Intervention – Ein Schlüssel zum Erfolg
Studien zeigen, dass eine frühzeitige Diagnose und gezielte Förderung Wunder wirken können. Kinder, die rechtzeitig Unterstützung erhalten – sei es durch spezielle Förderprogramme oder durch individuelle Hilfe von Lehrern und Eltern – können ihre Schwierigkeiten überwinden und ihre Leseleistung deutlich verbessern. Doch wie erkennen wir, ob ein Kind wirklich Unterstützung braucht?
Hier ist eine Checkliste, um Anzeichen von Leseproblemen zu erkennen:
Vermeidet dein Kind das Lesen? Wenn das Kind plötzlich das Interesse verliert oder das Lesen vermeidet, kann das auf Frustration oder Angst hinweisen.
Zeigt dein Kind Wutausbrüche oder Tränen? Das kann auf Überforderung oder das Gefühl des Versagens hindeuten.
Verliert dein Kind das Vertrauen bei jeder Aufgabe? Das ständige Scheitern beim Lesen kann zu einem tiefen Gefühl der Unzulänglichkeit führen.
Hört das Kind auf, sich an das Gelesene zu erinnern? Das zeigt, dass die Lesefähigkeit noch nicht ausreichend entwickelt ist und das Kind sich zu sehr auf das „Mechanische“ konzentrieren muss.
Wirkt dein Kind besonders ängstlich vor dem Lesen? Eine erhöhte Nervosität oder Angst kann auf tiefere Unsicherheiten hindeuten.
Fällt es deinem Kind schwer, sich nach einer Lesepause zu konzentrieren? Eine Unfähigkeit, nach einer kurzen Pause wieder in den Lesefluss zu kommen, kann auf mentale Erschöpfung hindeuten.
Wenn eines dieser Anzeichen auftritt, ist es wichtig, frühzeitig zu handeln und Unterstützung zu suchen.
Psychische Belastungen durch Leseprobleme - Mehr als nur ein Lernproblem
Lernprobleme können tiefgreifende psychische Auswirkungen haben. Wenn Kinder immer wieder mit Misserfolgen konfrontiert werden, entwickeln sie oft ein negatives Selbstbild. Sie beginnen zu glauben, dass sie „nicht gut genug“ sind. Doch was passiert, wenn diese inneren Kämpfe nicht nur den Lernprozess, sondern auch das Leben der Kinder beeinträchtigen?
Weitergehende Anzeichen, die auf psychische Belastungen hindeuten können:
Nicht gut genug“-Gedanken: Wenn Kinder häufig äußern, dass sie „nicht gut genug“ sind, kann dies auf ein negatives Selbstbild hinweisen.
Körperliche Symptome wie Bauch- oder Kopfschmerzen: Diese Symptome, die regelmäßig vor dem Lesen auftreten, können Ausdruck von psychischem Stress sein.
Desinteresse an der Schule: Ein plötzliches Desinteresse an schulischen Aufgaben kann ein Zeichen für emotionale Belastung sein.
In solchen Fällen ist es besonders wichtig, nicht nur auf die Lernprobleme zu schauen, sondern auch die psychische Gesundheit des Kindes zu berücksichtigen. Der Teufelskreis von Frustration und Versagen kann die ganze Familie belasten – hier ist professionelle Hilfe gefragt.
Wie du deinem Kind beim Lesenlernen helfen kannst
Was können Eltern tun, um ihr Kind zu unterstützen, ohne Überforderung zu verursachen? Hier einige praktische Tipps, um das Lesenlernen zu einer positiven und erfolgreichen Erfahrung zu machen:
Schaffe eine ruhige Leseumgebung: Ein ablenkungsfreier, gemütlicher Ort zum Lesen kann Wunder wirken. Vielleicht ist es auch hilfreich, eine kleine Leseecke einzurichten, die zum Verweilen und Kuscheln einlädt.
Setze regelmäßige Lesezeiten: Feste Lesezeiten schaffen Struktur und machen das Lesen zu einer Gewohnheit.
Lese gemeinsam: Wenn Eltern gemeinsam mit ihren Kindern lesen, fördert das nicht nur das Leseverständnis, sondern zeigt auch, dass Lesen Spaß machen kann.
Wähle spannende Bücher: Bücher, die das Interesse und Alter des Kindes ansprechen, machen das Lesen viel spannender und attraktiver.
Lobe Fortschritte: Jedes noch so kleine Erfolgserlebnis sollte gefeiert werden, um das Selbstbewusstsein zu stärken.
Nutze digitale Medien: Interaktive Lern-Apps können das Lesenlernen spielerisch unterstützen und eine zusätzliche Motivation bieten.
Geduld ist der Schlüssel: Jeder Lernprozess braucht Zeit, und es ist wichtig, dass Eltern geduldig bleiben und in kleinen, überschaubaren Schritten vorgehen.
Fazit: Zusammen den Weg zum Erfolg gehen
Der Weg zum erfolgreichen Lesenlernen ist für Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche nicht immer einfach. Doch er ist nicht unüberwindbar. Vor allem die richtige Unterstützung und die richtigen Strategien machen den Unterschied aus. Es gibt immer Hoffnung, und der Erfolg ist möglich – auch mit LRS und Rechenschwäche. Frühzeitige Interventionen, eine positive Lernumgebung und individuelle Unterstützung können Kindern helfen, ihre Lernbarrieren zu überwinden. Und vor allem: Du bist nicht allein auf diesem Weg.
Gemeinsam können wir das Potenzial jedes Kindes entfalten und sicherstellen, dass niemand zurückgelassen wird – nicht beim Lesen und nicht im Leben.
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du deinem Kind effektiv beim Lernen helfen kannst, hör die Episoden des „Potenzialfrei?!“- Podcasts: https://mio-lindner.com/podcast/